Michael Pabst-Krueger

 

Musikunterricht über das Internet

Synchrones Lernen über www.musikstunde-online.de

 

(erschienen in: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Multimedia als Gegenstand musik­pädagogischer Forschung, S. 115-126. Verlag DIE BLAUE EULE, Essen, 2002)

Das Internet als Medium zum Lernen und Lehren

Lernen und Lehren über das Internet stellt bereits seit mehreren Jahren eine wichtige Nutzungsmöglichkeit dieses Mediums dar und auch im Musikbereich lassen sich vielfältige Informations- und Bildungsangebote finden (Hoffmann, 1997, S. 26ff., Engel/Klein, 1999, Hendricks, 2000, S. 164f., siehe dazu auch Weber, 1997, S. 37f. oder im Internet unter  http://members.aol.com/HeinzHeigl/kultur.htm#Musik). Ein großer Teil der Lernangebote wie zum Beispiel

·     www.musica.at/musiklehre/

·     www.gitarrenlinks.de

·     www.referate.at

·     www.spickzettel.de

sind jedoch als asynchrone Lernsequenzen konzipiert: Anbieter stellen hierbei ihre Daten ins Netz – die Nutzer bedienen sich dieser zu einer beliebigen, späteren Zeit.

Systeme direkter Kommunikation über das Internet sind dagegen erst in jüngster Zeit so­weit ausgereift, dass hiermit Unterricht in Echtzeit erfolgreich und motivierend durch­geführt werden kann (Bentlage/Glotz/Hamm, 2001): Bei gleichzeitiger Anwesenheit aller Beteiligten kann eine direkte Kommunikation über Sprache und Bild stattfinden. Dies geht über die bisherigen Kommunikationsformen im Internet wie z. B. Chatrooms, Video­konferenzen und Internet-Telefonie deutlich hinaus.

Eine besondere Stellung nimmt in diesem Zusammenhang die e-learning Plattform Inter­Wise (www.InterWise.com) ein, die Ende der 90er Jahre für die weltweite Kommunikation von Software-Entwicklern über das Internet entwickelt und bereits mehrfach ausgezeichnet wurde [1] (siehe Tab. 1, vgl. Pabst-Krueger, 2001, S. 40f.).

 

Übermittlung von Informationen

·        Übertragung von Folien und Power-Point-Präsentationen auf die Bildschirme aller Beteiligten

·        Zeitgleiches Abspielen von Tonbeispielen in Form von Wave-Dateien, mp3-, Real-Audio- und MIDI-Files

·        Einspielen kurzer Videos

Interaktion

·        Sprachkommunikation: Instruktoren können jederzeit sprechen, während die Studenten erst nach dem Drannehmen das Rederecht erhalten

·        Schriftliche Mitteilungen unter den Studenten, Notizen aller Beteiligten an den Instruktor oder an die gesamte Klasse

Gruppenarbeit

Während der Sitzung:

·        Zusammenstellung beliebiger Gruppen

·        Versorgung mit vorbereiteten Arbeitsmaterialien

·        individuelle Betreuung durch den Instruktor

Fragen und Tests

·        Spontane OK- oder JA/NEIN-Abfragen

·        Einspielung vorbereiteter Multiple-Choice oder Freitextfragen

·        Frage­bögen mit automatischer Auswertung und Speicherung aller Antworten

Arbeit mit Computerprogrammen und dem Internet

·        Application-Sharing: Die Studenten schauen dem Teletutor bei der Arbeit mit beliebigen Programmen auf dessen Rechner zu, hören Erklärungen und bedienen Programme über das Internet fern

·        Geführte Internet-Tours können vom Instruktor oder von jedem Teilnehmer geleitet werden

Aufzeichnungsfähigkeit

·        Alle Kurse können sowohl vom Teletutor als auch von jedem Kursteilnehmer aufgezeichnet werden.

Tabelle 1:   Die Kategorien der für synchrones Lernen geeigneten Features von InterWise.

Das System wird heute von namhaften Firmen aus vielen Geschäftsbereichen bei Internet­konferenzen und Mitarbeiterschulungen eingesetzt[2] und ist im Bereich e-learning die euro­pa- und weltweit führende Plattform, deren Anwendungsgebiete von Nachhilfe­unter­richt für Schüler[3] über virtuelle Volkshochschulen[4] und Online-Fortbildungen für Lehr­kräfte[5] bis zu Coachings für Manager[6] reichen.

Organisatorische Grundlagen

Seit etwa zwei Jahren führt das Landesinstitut Schleswig-Holstein für Praxis und Theorie der Schule Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer über das Internet durch. Die in Kiel angesiedelte Projektgruppe Fortbildung-ONLINE (www.echtzeitfortbildung.de) nutzt seit dem Frühjahr 2000 die e-learning Plattform InterWise als Medium für Echtzeit-Fort­bildungen im virtuellen Klassenraum[7]. Bis Ende des Jahres 2001 wurden bereits über 350 Veranstaltungen mit mehr als 3000 Teilnehmern durchgeführt[8]. Die ersten InterWise-Fortbildungen im musikalischen Bereich fanden im Frühjahr 2001 statt (Pabst-Krueger, 2001, S. 42f.).

Die Vermittlung musikalischer Inhalte stellt eine große Herausforderung an die Planung und Durchführung des Unterrichts dar: Aus inhaltlichen Gründen ist es häufig unabdingbar, dass verschiedene Wahrnehmungskanäle angesprochen, eine gemeinschaftliche Unter­richts­atmosphäre hergestellt und motorische Aktivitäten einbezogen werden. Eine Liste von Unterrichtsinhalten findet sich in Tabelle 2.

 

Musik-Software

Instruktionen und praktische Übungen per Application-Sharing über das Internet

Internetangebote

Vom Instruktor geführte Web-Tours zu Musikangeboten und Musik-Download-Sites

Musiktheorie

Sendung vorbereiteter Folien, Bild- und Tonbeispiele mit live gesprochenen Erklärungen (ähnlich zu Präsenz-Vorlesungen)

Fachdidaktik

Informationsvermittlung und Diskussionen, Fachgespräche usw. im virtuellen Klassenraum

Unterrichtsmaterialien

Verteilung von Texten, Bildern, Musikbeispielen, Animationen als weiterverwendbare Dateien während des Online-Unterrichts

Tabelle 2:   Musikpädagogische Unterrichtsinhalte mit besonderer Eignung für die Vermittlung durch synchrones e-learning.

Das Projekt Musikstunde-ONLINE (www.musikstunde-online.de) läuft seit Mitte des Jahres 2000. Die Arbeitsgruppe Fortbildung-ONLINE stellt die e-learning Plattform, den Campus-Server, die Organisationsstruktur und technische Unterstützung für die Durch­führung musikalischer Fortbildungsveranstaltungen zur Verfügung. Alle Kurse werden bun­des­weit und für Lehrkräfte kostenfrei angeboten (bis auf die eigenen Internet-Ge­büh­ren). Die Konzeption erfolgte in der Anfangsphase in Zusammenarbeit  mit der Abteilung Musikpädagogik der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Das Projekt wird verantwortlich geleitet und wissenschaftlich begleitet vom Autor dieses Beitrags.

Praktische Durchführung der Fortbildungskurse

Die ersten Kursreihen hatten noch stark computernahe inhaltliche Schwerpunkte, während ab Herbst 2001 allgemeine fachliche und fachdidaktische Themen im Mittelpunkt der Kurse standen (siehe Tab. 3).

 

Computernahe Schwerpunkte

·        Medientypen von Musik im Internet

·        Nutzungsmöglichkeiten von MIDI-Files

·        Suchen und Finden von Musikinformationen im Netz

·        Verwertung von Web-Angeboten für den Unterricht

·        Musikalische Lernprogramme auf CD-ROM und im Internet

·        Aufnehmen, Arrangieren und Notieren mit dem Computer

·        Grundlagen des Harddisk-Recordings und der CD-Produktion

·        Computerausstattung für Musiker

Südamerikanische Musik

·        Geschichte des Samba in Brasilien

·        Stilistiken des Samba

·        Typische Sambainstrumente und ihre Spieltechniken

·        Musikpraktische Übungen auf Körperinstrumenten und Umweltgegenständen

·        Originalrhythmen, Breaks und Calls

·        Vereinfachungsmöglichkeiten für die Unterrichtspraxis

·        Spielmöglichkeiten auf Schulinstrumenten

·        Arrangieren für Laienensembles

·        Probenmethodik für Percussionsgruppen

Tabelle 3:   Inhalte der bisher durchgeführten synchronen e-learning Kurse im Projekt Musikstunde-ONLINE[9]

Alle Kursreihen wurden mehrfach, mit verschiedenen Teilnehmergruppen, durchgeführt. Die ersten Veranstaltungen wurden als zweiteilige Kursreihen konzipiert, es stellte sich jedoch schnell heraus, dass neben den Vorträgen des Teletutors auch viele Fragen, Dis­kussionen und Anregungen der Teilnehmer einen breiten Raum während des Unterrichts im virtuellen Klassenraum einnehmen sollten: Bereits bei den ersten Kursreihen im März 2001 wurden deshalb nach Absprache mit den Teilnehmern zusätzliche Kursabende durch­geführt, während ab Mai 2001 von vorneherein drei- und mehrteilige Kursreihen geplant wurden.

Positiv machte sich bemerkbar, dass die Teilnehmer jederzeit genau die Sichtweise auf alle vorgestellten Materialien, Computerprogramme, Internetseiten usw. hatten, die auch sonst bei der Arbeit mit diesen Dingen üblich ist: Das Thema Computeranwendung kann hier­durch erheblich praxisnäher gelernt werden. Auch die Möglichkeit der Teilnehmer, über das Internet auf Programme des Instruktors auf dessen Rechner zugreifen und dort ver­schiedene Features unter Anleitung ausprobieren zu können, erwies sich als förderlich für den Lernfortschritt.

Die erste Kursreihe „Sambarhythmen im Musikunterricht“ fand mit Teilnehmern ohne Vor­kennt­nisse im Percussionsbereich in wöchent­lichen Sitzungen von knapp 2 Stunden Dauer statt. Die zweite Kursreihe wendete sich an aktive Percussionisten und fand im gleichen zeitlichen Umfang, jedoch zeitversetzt um zwei Wochen, mit Musikern aus Sambagruppen und Musikleh­rern mit praktischen Erfahrun­gen in verschiedenen Stilistiken der Per­cus­sions­musik statt.

Bei der Durchführung dieser jeweils achtteiligen Kursreihen wurden Vorteile und Möglich­keiten, aber auch Beschränkungen des Einsatzes des Mediums e-learning in der musik­päda­gogischen Fortbildung deutlich:

·      Es konnte im virtuellen Klassenraum über den Zeitraum der Kursreihen, trotz der räum­lichen Trennung der Beteiligten, eine angenehme und persönliche Unter­richts­atmo­sphäre hergestellt werden.

·      Die inhaltliche Arbeit hatte durch die multimediale Aufbereitung der Thematiken mit Bild- und Tonbeispielen, Visualisierungen usw., sowie durch häufige Beiträge vieler Teil­nehmer und den Einbezug praktischer Übungen eine ebenso hohe Qualität wie ent­sprechende Präsenzveranstaltungen und führte zu dauerhafter Motivierung bei den Teil­nehmern.

·      Auf Fragen und Anregungen der Kursteilnehmer konnte seitens des Kursleiters, aber auch anderer Teilnehmer, jederzeit eingegangen werden und erste Erfahrungen mit der Umsetzung der Kursinhalte durch die Teilnehmer wurden regelmäßig ausgetauscht.

·      Die Grenzen des Systems wurden dort deutlich, wo musikpraktische Inhalte im Mittel­punkt standen: Zwar konnten viele Übungen durch mündliche Anleitungen, Fotos, Hörbeispiele auch über das Internet vermittelt werden. Die Kontrolle und Korrektur des Musizierens der Teilnehmer durch den Instruktor musste sich jedoch auf rudimentäre Hörkontrollen über den Sprachkanal der e-learning Software und die Kommentierung von Eigenbeobachtungen der Teilnehmer beschränken.

Auswertung der Teilnehmer-Rückmeldungen

Es fanden nach dem Ende der thematischen Arbeit regelmäßig Gespräche mit Teilnehmern im virtuellen Klassenraum statt. Außerdem wurden in jeder Sitzung systematisch Rück­meldungen aller Teilnehmer (N=117) über einen eingeblendeten Fragebogen eingeholt[10], die zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der methodischen Umsetzung der Inhalte für die e-learning Plattform genutzt wurden. Dieses Verfahren ermöglichte zeitnahe Rück­mel­dun­gen zur Didaktik und Methodik jeder einzelnen Unterrichtsstunde, wie z.B. mit Fragen zur Interaktion, zu Merkmalen und Eignung der eingesetzten Medien. Die Angaben der Teil­nehmer konnten hierdurch auch zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der metho­dischen Umsetzung der Inhalte für die e-learning Plattform genutzt werden. Fragen zu lektions­übergreifenden Aspekten von Online-Fortbildungen wurden nur einmal während jeder Kursreihe gestellt (z.B. zu Abb. 1, 2, 4, 5). Durch die Integration des Fragebogens in jede Unterrichtsstunde wurden 95,7% der Fragebögen und 91,1% aller Fragen bearbeitet und zurückgesandt. Frei formulierte Antworten wurden in einigen Auswertungen zu Kate­go­rien zusammengefasst (vgl. Abb. 2, 4, 5).


Abb.1: Verwendung der Fortbildungsinhalte

41,7% der Teilnehmer werden die Inhalte der Kurse hauptsächlich im privaten Bereich, weitere 25,0% im privaten Bereich und zur Unterrichtsvorbereitung einsetzen, während nur 8,3% diese vorwiegend im Unterricht selbst, 11,1% zur Unterrichtsvorbereitung und 13,9% im Unterricht und zur Unterrichtsvorbereitung einsetzen wollen.


Abb.2: Motivation zur Teilnahme

51,6% der Teilnehmer nahmen vorwiegend aus Interesse an den angebotenen Themen an den Online-Fortbildungskursen teil, 35,5% waren mehr an den neuen Möglichkeiten des Lernens im virtuellen Klassenraum interessiert, während 19,4% selbst Onlinekurse anbieten wollen oder dieses bereits praktizieren und deshalb an den Kursen teilnahmen. Auch die Faszination der technischen Möglichkeiten des e-learning und die Neugier spielte bei 22,6% bzw. 12,9% der Teilnehmer eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, an den Kursen teilzunehmen.


Abb.3: Eigenaktivität der Teilnehmer

Die Möglichkeit aktiver Beteiligung am Online-Unterricht, z.B. durch Wortmeldungen, eigene Beiträge oder Aktivität in der Gruppenarbeit hielten die Teilnehmer zu 66,7% für un­abdingbar für eine sinnvolle und erfolgreiche Fortbildung über das Internet. 32,1% stuften dieses als eine wichtige Ergänzung der Vorträge des Teletutors ein.


Abb.4: Vorteile von Online-Fortbildungen

Als Vorteile von Online-Fortbildungen wurden Zeitersparnis und der Wegfall von Fahr­kosten (77,8%) und die gute Kombinierbarkeit des Kursangebots mit anderen Aktivitäten (40,0%), z.B. Berufstätigkeit oder Kinderbetreuung, am häufigsten genannt. Aber auch ein größeres thematisches Angebot als am Wohn- oder Arbeitsort der Teilnehmer (17,8%), der Erfahrungsaus­tausch mit Kollegen über größere räumliche Entfernungen (8,9%) und die gemütliche Atmosphäre bei dieser Art der Fortbildung von zu Hause aus (15,6%) wurden als wichtige Vorteile genannt.


Abb.5: Nachteile von Online-Fortbildungen

Als Nachteile gaben die Teilnehmer die fehlende direkte Kommunikation und eine gewisse Anonymität an (64,4%), teilweise fehlte ihnen auch der visuelle Eindruck der anderen Teilnehmer und damit die Möglichkeiten nonverbaler Kommunikation (24,4%). Weiterhin wurden zu geringe Interaktionsmöglichkeiten unter den Teilnehmern und zu geringe Eigenaktivität (17,8%), fehlende musikprakti­sche Übungen (17,8%) oder technische Unzulänglichkeiten (31,1%) als Problemfelder angegeben.

Didaktisch-methodische Konzeption

Beim Musikunterricht im virtuellen Klassenraum handelt es sich wie beim Präsenz­unterricht um Unterricht in Echtzeit mit vielen Kommunikations-, Visualisierungs- und Interaktionsmöglichkeiten. Wesentliche Grundstrukturen der Planung und Durchführung von Präsenzunterricht finden deshalb auch für den Unterricht im virtuellen Klassenraum Anwendung: Zielorientierung, Stufigkeit des Unterrichts, Stundenaufbau in lern­psycho­logisch sinnvoll gegliederte Phasen, Einsatz verschiedener Medien, Methodenwechsel, Wechsel der Unterrichtsformen, Motivierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Be­deutung der Lehrerpersönlichkeit (vgl. Meyer, 1993, S.89ff., Grell, 1980, S. 187ff.).

Andererseits bedingt dieses System jedoch auch eine völlig neue Form des Unterrichts, da die Beteiligten sich nicht in einem gemeinsamen realen Raum befinden, sondern jeder für sich in einem anderen physischen Raum am Bildschirm sitzt und von dort aus am Unter­richt teilnimmt. Die Teilnehmer haben hierdurch z.B. die Möglichkeit während des Unter­richts unbemerkt andere Dinge nebenbei zu tun. Allerdings können sie auch bei Des­inte­resse, schlechtem Unterricht usw. einfach abschalten (im realen oder übertragenen Sinn). Konsequenz für verschiedene didaktische und methodische Aspekte des Unterrichts im vir­tu­ellen Klassenraum ist deshalb eine besonders aufwändige Vorbereitung:

·     bezüglich der Motivierung der Teilnehmer

·     bezüglich der Auswahl der konkreten Unterrichtsinhalte

·     bezüglich der methodischen Aufbereitung des Stoffes

·     bezüglich der Wahl der eingesetzten Unterrichtsformen

·     bezüglich der Ansprache verschiedener Wahrnehmungskanäle

Insbesondere bei Einbezug variierender multimedialer Elemente in den Unterricht gliedert sich die Vorbereitung in eine große Zahl unterschiedlicher Teilaufgaben, die teilweise mit verschiedenen Computerprogrammen zu bearbeiten sind.

Die Qualifikation des Unterrichtenden im virtuellen Klassenraum muss neben allen üb­lichen Merkmalen eines Musikpädagogen eine Reihe zusätzlicher Fähigkeiten beinhalten, z.B. gute Kenntnisse verschiedener Computeranwendungen, Flexibilität bei der Lösung tech­nischer Probleme während des Internet-Unterrichts, Fähigkeit zu sehr strukturiertem Arbeiten bei der Unterrichtsvorbereitung, variabler und zielgerichteter Einsatz der vor­han­denen Möglichkeiten des Systems bei der Durchführung des Unterrichts, Herstellen einer persönlichen Unterrichtsatmosphäre unter den Bedingungen der eingeschränkten Mög­lich­keiten im virtuellen Klassenraum.

Forschungsausblick

Eine erste didaktisch-methodische Konzeption für Live-Online-Unterricht im Musikbereich wird zurzeit im Rahmen des Projektes Musikstunde-ONLINE entwickelt. Musikunterricht im virtuellen Klassenraum ist bisher noch wenig erprobt, so dass eine Erweiterung auf eine größere Zahl von Themen, auf Instruktoren aus verschiedenen Bereichen der Musik­päda­gogik und auf breitere Teilnehmerkreise wünschenswert erscheint.

Für die weitere Entwicklung und Verbreitung synchroner Online-Angebote im Musik­bereich wäre auch die Entwicklung von Handreichungen für die Unterrichtsvorbereitung von Musikunterricht im virtuellen Klassenraum sehr hilfreich. Diese könnten die Zeit für die Kursvorbereitung für weniger erfahrene Teletutoren erheblich verkürzen.

Schließlich sollten auch systematische und quantitative Vergleichsstudien zwischen the­men­gleichen Veranstaltungen im e-learning- und Präsenzbereich geplant und durch­geführt werden. Auf dieser Grundlage könnten e-learning Angebote im Musikbereich anschließend zielgenauer und lerneffizienter eingesetzt werden.

 

Literatur

Bentlage, Ulrike / Glotz, Peter / Hamm, Ingrid (Hrsg.) (2001). E-Learning. Märkte, Geschäftsmodelle, Perspektiven. Gütersloh: Verlag Bertelsmann-Stiftung.

Engel, Gaby / Klein, Michael (1999). Eine neue Lernwelt: das Netz als Medium zur Unterstützung des Lernens. Gütersloh: Verlag Bertelsmann-Stiftung.

Grell, Jochen (1980). Techniken des Lehrerverhaltens. Weinheim, Basel: Beltz Bibliothek.

Hendricks, Wilfried (Hrsg.) (2000). Neue Medien in der Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen Scriptor.

Hoffmann, Björn (1997). Das Internet im Musikunterricht der Sekundarstufe I. Überblick über die Möglichkeiten und erste Unterrichtsversuche (schriftliche Hausarbeit zum 1. Staatsexamen). Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Abteilung Musikpädagogik.

Meyer, Hilbert (1993). Leitfaden zur Unterrichtsvorbereitung. Frankfurt am Main: Cornelsen Scriptor.

Pabst-Krueger, Michael (2001). Musikunterricht – und keiner geht hin? Macht nichts: Im virtuellen Klassenraum kann man auch von zuhause aus am Unterricht teilnehmen. Musikunterricht und Computer, 2/2001, S. 40-44. Oldershausen: Lugert-Verlag.

Weber, Martin (1997). Musikpädagogik im Zeichen des Pluralismus. Eine Studie zur Geschichte und Gegenwart der bundesdeutschen Musikpädagogik (Forschungsberichte des Instituts für Musikpädagogische Forschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover).

 



[1]     z.B. im Oktober 2001 von usnews.com unter “Corporate E-learning Customer Satisfaction Rankings - Live E-learning Tools” (www.usnews.com/usnews/biztech/elearning/rankings/ranklel/ranklel.htm), im November 2001 von channelnewsasia.com (http://cna.mediacorpnews.com/newsbox/art276.htm) oder Anfang 2002 von Brandon Hall (www.brandon-hall.com/acel.html, www.brandon-hall.com/market2mobile.html)

[2]     z.B. bei Microsoft für XP-Schulungen (www.microsoft.com/usa/webcasts/),

bei SAP für Mitarbeiter-Schulungen (www.campuswise.co.za/campuswise/PR-SAP.htm),

bei Nestlé und Volvo für Internet-Konferenzen.

Weitere Firmen unter: www.telekooperation.iao.fhg.de/news.php3?alle

[3]     z.B. www.learnunited.de

[4]     z.B. www.u4all.com

[5]     z.B. www.echtzeitfortbildung.de

[6]     z.B. www.etraining.ch, www.telecoaching4u.de

[7]     Informationen zur Konzeption des Projektes und aktuelle Informationen können abgerufen werden unter: www.lernnetz-sh.de/l3n/eteaching.htm, www.lernnetz-sh.de/l3n/teleteaching/teleteaching.htm, www.lernnetz-sh.de/l3n/aktuelles.htm, www.ipts.de/neues.htm

[8]     Das aktuelle und das historische Fortbildungsangebot von Fortbildung-ONLINE ist abrufbar unter www.lernnetz-sh.de/l3n/bildung1.html und www.lernnetz-sh.de/l3n/bildungalt.html

[9]     Ausführliche Informationen zu den Inhalten der einzelnen Fortbildungskurse unter: www.musikstunde-online.de

[10]    Der gesamte Fragebogen ist abrufbar unter www.musikstunde-online.de/Projekt/Fragebogen.htm